Halbmarathon. 1 Stunde 50 Minuten. Beides zusammengefasst ergibt eines der großen Ziele, welches irgendwann am Plan eines jeden Hobbyläufers steht! Bereits Anfang Juli – dazumal noch in Paraguay unterwegs – setzte ich mir dieses ambitionierte Ziel und schraubte meine Trainingsumfänge ordentlich nach oben. Mit Ausnahme ein paar kränklicher Tage in Nicaragua bin ich so die letzten dreieinhalb Monate kontinuierlich vier Mal pro Woche laufen gegangen und habe stolze 475 Kilometer gesammelt!

Schneller als erwartet war er plötzlich da, der 16. September 2016 – der 10. Tamarindo Beach Marathon in Costa Rica. Wie im damaligen Blogbeitrag beschrieben, hatten wir Läufer neben der Affenhitze vor allem mit kräftig Höhenmeter zu kämpfen. Dazu kam, dass ich „damals“ physisch einfach noch nicht so weit war – das Ergebnis unterstrich diese Empfindung: 1 Stunde 57 Minuten 59 Sekunden.

Allen Nicht-Läufern sei an dieser Stelle verraten: acht Minuten sind bei einem Halbmarathon wahnsinnig viel – das sind heruntergebrochen auf jeden einzelnen Kilometer 23 Sekunden!

Keine Zeit für´s Kopf in den Sand stecken – Melbourne ich komme!

Auch wenn die wunderschönen Strände von Costa Rica und die Copacabana in Rio de Janeiro optimale Gelegenheiten geboten hätten, den Kopf in den Sand zu stecken, entschied ich mich dennoch dafür auf den angrenzenden Promenaden einfach noch mehr Kilometer runterzuspulen und noch flottere Intervalltrainings zu machen – mit Erfolg!

Auf den Tag genau ein Monat nach dem Tamarindo Beach Marathon ging ich heute beim 16. Melbourne Marathon Festival an den Start!

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Teampower – mein erster Lauf in einer Pace-Group

Bei großen internationalen Laufveranstaltungen stellen die Veranstalter zumeist Pacemaker zu Verfügung. Dabei handelt es sich um fortgeschrittene Läufer, die mit konstanter Geschwindigkeit eine genaue Zielzeit laufen. Gut, dass es für mein 1:50-Vorhaben eine eigene Pace-Group gab.

Neben dem großen Vorteil nicht andauernd selbst die Kilometer-Zwischenzeiten überprüfen zu müssen, hat man vertraute Gesichter um sich und so zumindest eine Konstante auf einer gänzlich unbekannten Laufstrecke in einer fremden neuen Stadt.

Nach 25 Minuten und 46 Sekunden gab´s die erste lautstarke Meldung ans Team „5K on time Runners! Yeah!“ und ehe ich mich versah folgte auch schon das „10K on time Runners!“ Wiederum wurde ein „Yeah!“ angehängt, diesmal viel es jedoch noch um einiges euphorischer aus als bei Kilometer 5.

Trotz massiven Windes, der uns stellenweise ohne Gnade frontal entgegenkam, lief es wortwörtlich sehr gut. Jeden Kilometer meldete sich meine Uhr mit kurzem Piepsen, gefolgt von der Pace-Anzeige des letzten Kilometers: 4:59, 4:56, 5:02, 5:01, 4:57. Ziemlich konstant – der junge Mann mit der kleinen „1:50 Pacer“-Fahne, die er seit dem Start in die Höhe hielt, machte einen ausgezeichneten Job!

„Wenn´s läuft, dann läuft´s!“

Bei Kilometer 14 – zu diesem Zeitpunkt waren immerhin bereits die ersten zwei Drittel überstanden – begannen die Gedanken im Kopf langsam aber stetig in Richtung 1:45 zu denken. „Nur nichts riskieren!“, dachte ich – zu wichtig war es mir mein 1:50-Ziel zu erreichen.

Als es mir bei Kilometer 16 aber immer noch derart gut ging und ich trotz des zügigen Wettkampftempos noch mit keinerlei Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hatte, beschloss ich es wissen zu wollen und steigerte das Tempo. Es folgten drei Kilometer mit Pace-Zeiten deutlich unter 4:50. Durch diese Steigerung und das für meine Verhältnisse viel zu flotte Tempo war dann ab Kilometer 20 aber die Luft ziemlich raus – jetzt hieß es kämpfen!

Schlussendlich bin ich bei 1 Stunde 47 Minuten und 22 Sekunden ins Ziel! Erschöpft, aber mehr als stolz eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt zu haben UND endlich mein 1:50-Ziel erreicht zu haben!

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Am Rande: 1:47:22 entspricht einem durchschnittlichem Pace von 5 Minuten und 5 Sekunden pro Kilometer. Erzielter Gesamtrang: Platz 1.436 von 9.408 Teilnehmern.

Die nächsten zwei Wochen geht´s erstmal deutlich runter vom Gas – Regeneration steht am Programm! Was dann kommt? Keine Ahnung, aber mir wird schon etwas einfallen!

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Kein Erflog ohne Belohnung!

Um die Motivation und den Ehrgeiz nochmals eine Stufe anzuheben, hat Eva im Vorfeld eine Pizza-Wette vorgeschlagen! Die Regeln waren einfach: eine Zielzeit unter 1:50 und die Rechnung geht auf sie, 1:50 oder darüber und die Rechnung hätte mir gehört! Fazit des heutigen Tages: die Welt braucht viel mehr Pizza-Wetten und noch mehr persönliche Bestzeiten!

In diesem Sinne: raus aus den Laufschuhen, Prost und Mahlzeit!