Laufend Reisen – das hört sich erstmal richtig spannend an! Man denkt dabei an Laufeinheiten entlang schöner Sandstrände, während sich die Sonne langsam ihren Weg am Horizont empor bahnt, an beindruckende Trails durch den tiefsten Dschungel oder an Strecken entlang saftig grüner Reisterrassen.

Zugegeben, gelegentlich kommt man wirklich in den Genuss der genannten Paradebeispiele, jedoch gibt es auf den zweiten Blick viele Aspekte, mit denen man beim Laufen auf Reisen erstmal umgehen lernen muss. Vieles gestaltet sich nämlich deutlich mühsamer, als man das von zu Hause gewohnt ist.

1. Reisen, Sightseeing oder Laufen?

Bei mehreren Laufeinheiten pro Woche, sollte man sich schon ein paar Tage zuvor Gedanken machen, wie man alles am besten unter einen Hut bekommt.

Während zu Hause die meisten einem halbwegs geregelten Tagesablauf nachkommen, gleicht auf (Langzeit-)Reisen kein Tag dem anderen: eine 18-stündige Busfahrt hier, eine ganztägige Sightseeing- oder Trekkingtour da.

Die Lösung? Fixe Tage definieren! Flüge, lange Busfahrten und Ganztagsausflüge versuchen wir so gut es geht montags, mittwochs und freitags unterzubringen. Demnach sind die frühen Morgenstunden am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag für Lauf-Sessions frei. Der Vor- und Nachmittag bietet dann trotz alledem noch genügend Zeit für Ausflüge, kleine Wanderungen, Sightseeing-Touren & Co.

2. Laufstrecken

Wo man zu Hause auf sein Repertoire an gewohnten und erprobten Lieblings-Laufstecken zurückgreifen kann, findet man sich auf Reisen laufend an einem neuen, gänzlich unbekannten Ort wieder.

Die Folge: die fast tägliche Suche nach einer geeigneten Laufstrecke. Vielerorts sind Parks und Promenaden Mangelware und die Straßen – sofern es das dort herrschende Verkehrschaos zulässt – bestehen oftmals nur aus einbetonierten Steinen unterschiedlicher Größe, die einem bei jedem Schritt zum Umknöcheln verleiten wollen.

Die Lösung? Augen auf und ein Hoch auf die Technik! Bereits bei der Ankunft in einer neuen Stadt, hilft ein Blick aus dem Bus, Taxi und Co. – eventuell kann man schon hier eine geeignete Laufstrecke ausmachen. Alternativ gibt es mittlerweile eigene Apps, die einem Laufstrecken auflisten, die andere Läufer bereits gelaufen sind. Außerdem gibt es Reiseforen, in denen ein reger Austausch über Laufstrecken in aller Welt geführt wird. Zu guter Letzt kann man sich dank Google-Street-View in den meisten Ländern bereits vorab ein Bild von den Gegebenheiten machen.

3. Wuff-Wuff! Straßenhunde!

Vor allem in vielen ärmeren Ländern sind die Straßen zum Teil voll von streunenden Hunden. Ist man in Schrittgeschwindigkeit zu Fuß unterwegs, so wird man von den Hunden in der Regel gar nicht wahrgenommen bzw. beachtet.

Kaum legt man jedoch einen zügigen Laufschritt an den Tag, steigt das Interesse ins Unermessliche und man wird nicht selten von den Vierfüßern verfolgt.

Die Lösung? Tollwut-Impfung und lautstarkes Zurückweisen! Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sich vor Reiseantritt eine Tollwut-Impfung. Von der typischen Empfehlung „Ruhig bleiben und keine Angst zeigen“ halte ich persönlich nichts, da ich nicht glaube, dass einem irgendein Hund eine gespielte Gelassenheit abkauft. Ich habe es bis dato immer mit Stehenbleiben und langsamen Weitergehen – dadurch ist der Verfolgungs- bzw. Spieltrieb schlagartig zu Ende – und lautstarkem Zurückweisen gehandhabt. Bis jetzt bin ich – zum Glück – noch nicht gebissen worden.

4. Und was essen wir heute?

Eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung – das wird immer und überall gepredigt. Erst im Zuge der Weltreise ist mir bewusstgeworden, wie leicht und vergleichsweise günstig es ist, sich zu Hause gesund zu ernähren. Eine bunte Lebensmittelvielfalt, die seines Gleichen sucht, qualitativ hochwertige Produkte und an was man oft nicht denkt: es steht die eigene Küche inkl. Kühlschrank zur Verfügung.

In vielen – vornehmlich asiatischen – Ländern, ist es sehr schwierig einer gesunden Ernährung nachzukommen. Selbst Kochen ist quasi unmöglich – nicht nur, dass es in den Unterkünften oftmals an entsprechenden Gästeküchen fehlt, es ist schlichtweg viel zu teuer im Gegensatz zu den angebotenen Speisen in Restaurants.

Das große Problem dort? Es wird alles mit (sehr) viel Öl gebraten: nicht nur Fleisch, sondern ebenso das Gemüse, der Reis und die Nudeln.

Die Lösung? Richtige Unterkünfte auswählen, „No sugar!“ und flexibel sein! In Asien sind sich sämtliche Kategorien an Unterkünften (Hotels, Hostels, Homestays, etc.) relativ ähnlich. Dorms (Mehrbettzimmer) gibt es aufgrund der günstigen Preise so gut wie nicht. Im Gegensatz zu großen Hotels, kommen Hostels und Homestays sehr unseren in Österreich bekannten Pensionen gleich. Meist werden nur eine Handvoll Zimmer angeboten, was den Umgang familiärer macht. So war es bei uns bis dato nie ein Problem, dass wir die private Küche der Unterkunftsgeber mitbenutzen durften.

Das allerorts angebotene Frühstück besteht übrigens zumeist nur aus Pancakes, Toastbrot mit Omelette/Butter oder Vergleichbarem. Die Lösung: Haferflocken und Nüsse stets im Rucksack haben. Bananen bekommt man hier an jeder Ecke und Jogurt kann man sich in der Früh in Mini-Märkten organisieren.

Sämtliche Speisen werden hier mit massenhaft Zucker zubereitet. Selbst frisch gepressten Fruchtsäften wird löffelweise Zucker zugesetzt. Keine Ahnung, wie die Einheimischen das hinunterbringen – wir hängen die „No sugar!“-Aussage mittlerweile routiniert an jede Bestellung hintenan.

5. Wäsche

Ein eher vernachlässigbarer Punkt möchte man meinen, aber in Wirklichkeit ebenfalls eine Wissenschaft für sich. Zu Hause greift man in den Kasten zu einem frischgewaschenen, gutriechenden Sportgewand und läuft los. Auf Reisen fehlt nicht nur die eigene Waschmaschine, sondern ist der Platz im Rucksack dermaßen knapp kalkuliert, dass man mit ein, zwei Leiberl auskommen muss.

Die Lösung? Handwäsche & Augen zu und durch! So wird das Sportgewand zumeist mittels Handwäsche gewaschen – bis genug Alltagskleidung beisammen ist, um alles zusammen in eine Wäscherei zu geben. (Punkt 1 beachten, damit die gewaschene Wäsche pünktlich vor der nächsten Einheit fertig ist).

Leider bekommt man oftmals die verschwitzten Sachen nach sportlicher Ertüchtigung nicht schnellgenug wieder trocken. Folgt beispielsweise nach einem Morgenlauf eine mehrstündige Busfahrt, die bis am Abend oder nächsten Morgen andauert, so wird die Hose und das Dress einfach im Bus aufgehängt. Mittlerweile bin ich dahingehend ziemlich abgestumpft und so richtig beschwert hat sich auch noch keiner! Meine Meinung: es ist okay – Sport darf ab und zu stinken!

Viele Kleinigkeiten …

Es sind viele Kleinigkeiten, die für sich betrachtet keine Tragödie darstellen und man lernt definitiv damit umzugehen. Unumstritten ist jedoch, dass sich zu Hause punkto Sport vieles einfacher gestaltet. Bei Zeiten werde ich die Liste ergänzen –  jetzt ist es aber erstmal Zeit für ein paar Laufkilometer!