Nach zwei Wochen hatten wir genug vom Trubel und dem Verkehrschaos, das auf der gesamten Insel Bali zu jeder Tag- und Nachtzeit herrscht. So organisierten wir uns ein Boot auf die Gili-Inseln, die zur Nachbarinsel Lombok gehören. Die richtige Entscheidung wie sich rasch herausstellte: anstatt der angepeilten „paar Tage“ blieben wir über zwei Wochen!

Die Überfahrt: eine Kombination aus Ruckeln, Schwanken und Schaukeln

Die Gilis sind schon lange kein „ultimativer Geheimtipp“ mehr und so verirren sich heute mehr und mehr Menschen auf eine der drei kleinen Inseln. Die Anzahl an Fast-Boat-Unternehmen, die einen Transfer von Bali aus anbieten, ist schier unüberschaubar. Hier gilt es jedoch sich mit erhöhter Vorsicht für einen seriösen Anbieter zu entscheiden und damit einhergehend ein paar Euro mehr auf den Tisch zulegen.

Die Überfahrt vom Hafen Padang Bai aus dauert je nach Wellengang in etwa eineinhalb Stunden. Man sollte sich bewusst sein, dass es sich um eine Fahrt auf dem offenen Meer handelt und gerade am Nachmittag das Meer äußert rau werden kann. Neben den Warnungen von diversen Einheimischen hat auch eine kurze Internetrecherche zahlreiche Nachrichteneinträge über regelmäßige Schiffsbrüche – leider teils mitsamt Todesopfern – offenbart. Also Augen auf beim Ticketkauf. Solltet ihr selbst auch mal vor der Qual der Wahl stehen: Blue Water Express können wir uneingeschränkt weiterempfehlen!

Angekommen – wir haben es geschafft!

Bereits bei der Ankunft wurde uns klar, dass dieser Ort unsere Erwartungen erfüllte und es die stürmische Anreise auf jeden Fall wert war: weiße Sandstrände und davor türkisblaues Meer – scheint so, als ob wir ein weiteres Paradies auf Erden ausgemacht hätten.

Autos und Motorräder? Fehlanzeige! Auf den Gili-Inseln gibt es genau drei Fortbewegungsmöglichkeiten: zu Fuß, auf dem Rad oder mittels Pferdekutsche. Wir sind übrigens bei der klassischen Methode geblieben, denn sämtliche Unterkünfte, Restaurants, Bars & Co. befinden im Umkreis von wenigen Hundert Metern. Und selbst eine ganze Inselumrundung dauert – wenn man im gemächlichen Tempo unterwegs ist – gerade einmal zwei Stunden.

Das Highlight vorweg: ich konnte endlich wieder Laufen! Zwei Wochen Zwangspause wurden mir in Bali auferlegt, denn dort gibt es weder Parks, noch Promenaden und ebenso keine Straßen, die auch nur annähernd einen Laufschritt zuließen, ohne sein Leben im rasanten Verkehrschaos zu riskieren. Hier, auf den Gili-Inseln gibt es endlich wieder die Gelegenheit meinen regelmäßigen Lauf-Sessions nachzukommen, wenn auch auf sehr unebenen Terrain.

Genau diese Lauf-Sessions waren es aber, die mir einen Einblick in das Inselleben abseits der Touristenströme gegeben haben. Während an den Hauptstränden und in der Nähe der Hotels und Restaurants alles sehr idyllisch wirkt, offenbart sich im Landesinneren – abseits der Touristenhotspots – ein trauriges Bild: tonnenweiße Plastik und sonstiger Müll liegt kilometerweit auf ungenutzten Grundstücken verstreut. Den Müll mittels Schiffen abzutransportieren kommt offenbar zu teuer, daher wird dieser einfach im großen Stil verbrannt – freilich mittels offenem Feuer und komplett ohne Filteranlagen.

Und täglich grüßt das Murmeltier!

So etwas wie Sehenswürdigkeiten sucht man auf den Gilis vergebens. Die Hauptbeschäftigung besteht somit auf den ersten Blick aus einer Mischung aus Schlafen, Essen und Relaxen. Unzählige Bars und Restaurants locken tagsüber mit frisch gepressten Säften und abends mit Cocktail-Happy-Hours. Nahe dem Hafen gibt es einen Night-Market, der täglich auf- und abgebaut wird. An gut einem Dutzend Verkaufsständen wird hier – beginnend bei Gemüse in sämtlichen Ausführungen, über frisch gegrillten Frisch, bis hin zu unterschiedlichen Fleischgerichten – so ziemlich alles angeboten, um sich nach einem anstrengenden Tag auf der Insel zu stärken.

Spannende Unterwasserwelt

Bei näherer Betrachtungsweise findet man dann aber doch Möglichkeiten zur abwechslungsreichen Tagesgestaltung. Viele Touristen kommen hierher zum Tauchen bzw. um einen Tauschschein zu machen. Damit liebäugeln wir ebenfalls schon des längeren, aber leider haben wir festgestellt, dass ein solch mehrtätiger Kurs nicht in unserem Langzeitreise-Budget drinnen ist. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

Um dennoch in den Genuss der farbenprächtigen Unterwasserwelt vor den Gili-Inseln zu kommen, griffen wir punkto Ausrüstung anstatt auf Sauerstoffflaschen auf Schnorchel zurück. Gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten steuerten wir verschiedene Korallenriffe vor den Inseln an. Doch konnten wir nicht nur Korallen aus nächster Nähe bestaunen, sondern auch andere Meeresbewohner – wie beispielsweise Riesen-Meeresschildkröten und viele bunte Fische.

Nachdem wir uns auf der östlichsten Insel – Gili Air – gestärkt hatten, ging es zum letzten Spot den die Einheimischen „Friendly Fish“ nennen. Hier werden die Schnorchel-Touristen von einer unzählbaren Anzahl an Fischen in Empfang genommen. Vermutlich sind die hier ansässigen Fischschwärme schon auf die tägliche Dosis Toastbrot trainiert.

Kuta – Unsere letzten Tage in Indonesien

Nach über zwei Wochen waren unsere Batterien wieder mehr als aufgeladen und wir kehrten den ruhigen Gili-Inseln den Rücken. Mit dem Fast-Boat ging es zurück nach Bali und nachdem unsere Abreise aus Indonesien kurz bevorstand, verbrachten wir die letzten zwei Tage in dem Ort Kuta – unweit des Flughafens.

Kuta scheint vor allem bei jungen Partywütigen sehr beliebt zu sein. Es gibt viele Möglichkeiten zur schwungvollen Abendgestaltung und überhaupt erscheint der ganze Ort in erster Linie wieder auf Touristen ausgerichtet zu sein – inklusive unüberschaubarem Verkehrschaos.

Am Abend hat man am Strand einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang. Man ist jedoch garantiert nicht der einzige mit diesem Vorhaben, denn dieses Spektakel wird täglich von Vielen – sowohl Touristen als auch Einheimischen – bestaunt.

Keep on traveling

Bevor wir Gefahr liefen, uns wieder an das balinesische Verkehrschaos zu gewöhnen, packten wir unsere sieben Sachen und traten die Weiterreise an. Es ging weiter aufs „Festland“ – genauer gesagt nach Kambodscha. Was es hier alles zu entdecken gibt und welch traurige Vergangenheit das Land aufzuweisen hat, erfahrt ihr in Kürze.