Nach einem ziemlich stressigen Montagmorgen, habe ich es mit gerade einmal einer knappen Stunde Verspätung ebenfalls geschafft, aus Sydney rauszukommen. Eva ist mit dem ursprünglich gebuchten Flieger vorgeflogen und hat mich am kleinen Flughafen Avalon – ca. 60 Kilometer westlich von Melbourne – in Empfang genommen. Verpassen hätten wir uns hier jedoch ohnehin nicht können: gerade einmal drei Gates zählt dieser komplett vom Schlag liegende Flughafen, der Großteiles nur von Billig-Airlines angeflogen wird. Für uns war die Lage jedoch perfekt, denn wir wollten vor unserem Besuch in Melbourne die Great Ocean Road erkunden.

Im Uhrzeigersinn durch den Kreisverkehr!

Außer Orts kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Australien nicht weit und überteuerte, von Anfang bis Ende durchgeplante Massen-Busreisen sind ohnehin nicht unser Ding. Grund genug also um uns ein Auto auszuleihen und die 243 Kilometer lange „Scenic Route“ auf eigene Faust zu erkunden! Mietwagen bzw. Camper-Vans kann man sich in Australien – analog zu den USA – übrigens relativ kostengünstig ausborgen und auch die Spritpreise sind deutlich günstiger als in Europa.

Der Linksverkehr ist jedoch erstmal eine Sache für sich. Zum einen findet sich das Lenkrad plötzlich rechts im Fahrzeug, daher muss man permanent den Abstand zum linken Fahrbahnrand abschätzen. Zum anderen muss man sich auf das Fahren auf der linken Straßenseite gewöhnen. Während man auf Autobahnen relativ schnell ein Gefühl dafür bekommt, dass der linke Fahrstreifen auf einmal der langsamere ist und rechts überholt wird, dauert es innerorts etwas länger – vor allem beim Abbiegen auf Kreuzungen und beim Durchfahren von Kreisverkehren (von denen die meisten hier zudem zweispurig sind) muss man sich permanent der Versuchung widersetzen, sich rechts zu halten.

Australien – ein riesiger Zoo!

Kaum die ersten paar Kilometer zurückgelegt, sprang ich schon auf die Bremse. Unser erstes Känguru – grasfressend, direkt am Straßenrand hockend. Bis jetzt habe ich nur kleinere Exemplare in diversen Zoos gesehen, auf einmal war ich mir jedoch sicher, ein derartiges Kaliber besser nicht auf der Motorhaube haben zu wollen. Keine Stunde später sprang erneut ein Känguru vor uns über die Straße – auch daran muss man sich wohl erstmal gewöhnen.

In regelmäßigen Abständen sahen wir am Straßenrand abgestellte Autos, umzingelt von ihren Besitzern mit Blick steil empor in die Eukalyptusbäume. Auch wir fanden relativ rasch Begeisterung für eine weitere australische Freizeitbeschäftigung: Koalabär-Spotting. Schon lässig all diese Tiere einmal in „echt“ zu Gesicht zu bekommen – kleiner Spoiler vorab: neben verschiedenen Papageien und Kakadus sind wir in Melbourne sind wir auch auf freilebende Pinguine getroffen!

Highlights entlang der Great Ocean Road

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Entlang der Great Ocean Road gibt es unzählige Aussichtspunkte, an denen es sich auszahlt Halt zu machen und anschließend zu Fuß die Gegend zu erkunden. Entlang der Küste finden sich einige Leuchttürme, die in der Zeit vor GPS & Co. den Seefahrern den Weg zurück zum Heimathafen geleuchtet haben. Wir haben uns sowohl beim Leuchtturm der Stadt Aireys Inlet als auch beim westlicher gelegenen Leuchtturm von Port Fairy die Füße vertreten.

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Bekanntester Spot entlang der Great Ocean Road sind die Zwölf Apostel. Dabei handelt es sich nicht um zwölf, sondern widersprüchlicher Weise nur um neun Gesteinsformationen, die durch Erosion entstanden sind. 2005 ist einer dieser neun Pfeiler zusammengestürzt, sodass heute nur noch acht Felssäulen übrig sind.

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Neben den Zwölf Aposteln gibt es viele weitere Gesteinsformationen, die sich auf ähnliche Weise gebildet haben – beispielsweise die London Arch (siehe linker Bereich des Fotos unterhalb). Der früher London Bridge genannte Felsbogen war lange Zeit mit dem Festland verbunden, sodass man zu einem Aussichtspunkt hinausgehen konnte. Im Jänner 1990 stürzte das heute fehlende Mittelstück in sich zusammen. Glücklicherweise kam dabei kein Mensch zu Schaden. Zwei Touristen, die sich jedoch während des Einsturzes draußen am Aussichtspunkt befanden, wurde so der Rückweg abgeschnitten und sie mussten mittels Hubschrauber gerettet werden.

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Mein Lieblings-Spot war übrigens die Bay of Islands – eine Bucht in der sich, wie der Name schon verrät, mehrere kleine Inseln finden.

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Selfie!

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Außerdem sind wir an einer Wildlife-Farm vorbeigekommen, in der es unterschiedlichste Tiere aus der Nähe zu bestaunen gab. Zwar waren Kängurus und Koalas zu diesem Zeitpunkt nicht mehr neu für uns, jedoch gab es hier unter anderem auch Dingos und ein Wombat zu sehen. Die Kängurus mussten übrigens für ein paar lustige Selfies herhalten, wurden jedoch anschließend mit Futter belohnt!

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Melbourne

Nach drei Tagen entlang der Great Ocean Road ging es in die zweitgrößte Stadt Australiens: Melbourne. Der Linksverkehr mitsamt all seiner Eigenheiten war mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen und so haben wir den Mietwagen direkt im Zentrum der 4,25 Millionen Einwohner fassenden Stadt unbeschadet zurückgegeben.

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Melbourne an sich ist – ebenso wie Sydney – auf alle Fälle einen Besuch wert. Historische Gebäude und sonstige Sehenswürdigkeiten finden sich Großteils auf engstem Raum in der Innenstadt, die praktischerweise von einer kostenlosen Straßenbahnlinie umfahren wird.

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Zwischen den Wolkenkratzern schlängelt sich der Yarra-River quer durch Melbourne. Die Strandpromenaden sind von Spaziergängern, Läufern und Radfahrern frequentiert. Neben unzähligen Bars und Restaurants finden sich entlang des Flusses gut ein Dutzend Ruderclubs, die in den frühen Abendstunden ihre Boote zu Wasser lassen.

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Wie bereits gespoilert, sind wir in St Kilda, einem direkt am Meer gelegenen Vorort von Melbourne, auf Pinguin-Suche gegangen. In Hafennähe wurden vor vielen Jahren Felswände aufgeschüttet, um starke Wellen außerhalb des Hafens zu halten. Im Bereich dieser Schutzwälle bildete sich im Laufe der Jahre eine mittlerweile 1.000 Pinguin starke Kolonie.

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Persönlich wird mir vor allem das Melbourne Marathon Festival in Erinnerung bleiben, im Zuge dessen ich auf der Halbmarathon-Distanz neben einer neuen persönlichen Bestzeit endlich mein langes verfolgtes Ziel – die 1:50-Stunden-Marke zu knacken – erreichen konnte.

Und schon geht´s weiter …

Nachdem wir Melbourne nun auch hinter uns gelassen haben, werden wir noch einen Zwischenstopp in Brisbane einlegen, ehe es uns wieder raus aus den Großstädten und rein in die Natur zieht. Für alle die sich fragen, ob wir es bereits nach Brisbane geschafft haben? Ja, diesmal sogar im gleichen Flugzeug!